30 Jahre VPK Baden-Württemberg – gemeinsam gewachsen, gemeinsam weiter
30 Jahre VPK Baden-Württemberg – ein Jubiläum, das Anlass bot, zurückzublicken, Weggefährtinnen und Weggefährten zu würdigen und zugleich nach vorne zu schauen. Die Jubiläumsveranstaltung fand unmittelbar vor der Mitgliederversammlung des Landesverbandes statt. So verbanden sich an zwei Tagen Begegnung, fachlicher Austausch, Rückblick und die gemeinsame Arbeit an den aktuellen Herausforderungen der Kinder- und Jugendhilfe.
Die Vorsitzende des VPK Baden-Württemberg, Alexandra Mollenkopf, stellte in ihrer Begrüßung einen Gedanken in den Mittelpunkt, der die Arbeit des Verbandes seit vielen Jahren prägt: fachliche Qualität verbunden mit einem wertschätzenden Umgang miteinander. Dabei gehe es nicht darum, anderen die eigene Meinung aufzudrängen, sondern verschiedene Sichtweisen wahrzunehmen und zu integrieren. Unterschiedliche Perspektiven gehören dazu – entscheidend sei die Bereitschaft, miteinander im Dialog zu bleiben, voneinander zu lernen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.
Zusammenarbeit auf Augenhöhe
Wie gut eine solche Haltung auch die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und freien Trägern prägen kann, zeigte das Grußwort von Melanie Maulbetsch-Heidt, Leiterin des Jugendamtes im Ortenaukreis. Sie beschrieb den Anspruch ihres Jugendamtes, freien Trägern auf Augenhöhe zu begegnen und gemeinsam mit ihnen neue Angebote für junge Menschen zu entwickeln.
Besonders bemerkenswert war dabei eine eigentlich sehr einfache Frage, mit der sie auf die Träger zugeht: „Was braucht ihr?“ Darin zeigt sich eine Haltung, die nicht zuerst danach fragt, wie bestehende Strukturen erhalten werden können, sondern danach, was notwendig ist, damit Jugendhilfe gemeinsam gelingen kann. Wenn ein öffentlicher Träger eine solche Perspektive einnimmt, entsteht eine hervorragende Grundlage für eine konstruktive und ergebnisorientierte Zusammenarbeit zwischen Leistungsträgern und Leistungserbringern.
Jugendhilfe politisch mitgestalten
Die fachpolitische Bedeutung des VPK unterstrich auch Thomas Poreski, stellvertretender Vorsitzender der Grünen Landtagsfraktion und langjähriger politischer Wegbegleiter des Verbandes. In seinem Grußwort würdigte er den VPK als wichtigen Impulsgeber für die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe in Baden-Württemberg. Beispielhaft verwies er auf das maßgebliche Engagement des Verbandes bei der Durchsetzung der Ombudschaft – zunächst in Baden-Württemberg und inzwischen bundesgesetzlich verankert – sowie auf seine Rolle als Antreiber im Kinderschutz und bei der Aufarbeitung und Prävention sexualisierter Gewalt. Der VPK, so wurde deutlich, bringt die Erfahrungen seiner Mitgliedseinrichtungen nicht nur in die fachliche, sondern auch in die sozialpolitische Debatte ein und gestaltet damit die Rahmenbedingungen der Kinder- und Jugendhilfe aktiv mit.
Der VPK Baden-Württemberg. Eine Erfolgsgeschichte – und neue Herausforderungen
Ein weiterer besonderer Moment des Jubiläums war die Verabschiedung von Martin Adam, der den VPK Baden-Württemberg von 2004 bis 2024 als Vorsitzender geprägt hatte und anschließend noch eine Zeit lang im Vorstand mitarbeitete.
In seinem Grußwort bezeichnete er die Entwicklung des Landesverbandes als eine Erfolgsgeschichte. Sichtbar werde dies unter anderem daran, dass der VPK Baden-Württemberg inzwischen im Landesjugendhilfeausschuss vertreten ist – bislang zwar ohne Stimmrecht, aber als wahrgenommener und ernst genommener Akteur. Auch in der Ortenau zeige sich die Bedeutung der im VPK zusammengeschlossenen Einrichtungen sehr deutlich: Ein erheblicher Teil der dortigen Jugendhilfeplätze wird von VPK-Mitgliedern angeboten.
Martin Adam beschrieb den VPK dabei vor allem als Verantwortungsgemeinschaft. Wenn das Jugendamt mit einer Fragestellung oder einem neuen Bedarf auf die Träger zuging, entstanden daraus nicht selten konkrete Überlegungen, gemeinsame Beratungen und schließlich neue Angebote. Genau darin liegt eine besondere Stärke des Verbandes: Einrichtungen stehen nicht lediglich nebeneinander, sondern übernehmen gemeinsam Verantwortung für die Weiterentwicklung der Jugendhilfe.
Mit Blick auf seinen eigenen Abschied überwog deshalb die Freude darüber, dass das über viele Jahre Aufgebaute weitergeführt und weiterentwickelt wird – von Menschen, die Verantwortung übernehmen und zugleich neue Akzente setzen.
Nachdenklich wurde sein Rückblick beim Blick aus seiner Perspektive als Präsident des VPK Bundesverbandes auf die aktuellen politischen Entwicklungen. Über viele Jahre habe er die Weiterentwicklung des SGB VIII vor allem als fachpolitisches Ringen um bessere Bedingungen für Kinder, Jugendliche und Familien erlebt. Gegenwärtig sei dagegen zunehmend wahrzunehmen, dass finanzielle Erwägungen und Sparzwänge fachliche Debatten überlagern. Gleichzeitig werde es schwieriger, mit politischen Entscheidungsträgern überhaupt in einen kontinuierlichen fachlichen Dialog zu kommen.
Gerade vor diesem Hintergrund bleibe eine starke Interessenvertretung unverzichtbar. Der VPK Baden-Württemberg schaue deshalb trotz erheblicher Herausforderungen selbstbewusst nach vorne. Alexandra Mollenkopf griff diesen Gedanken in ihrer Moderation auf: Entscheidend sei, im Dialog zu bleiben, auch und gerade dann, wenn Positionen auseinanderliegen, um gemeinsam Lösungen entwickeln zu können.
Gute Rahmenbedingungen für anspruchsvolle Arbeit
Für den Arbeitgeberverband des VPK (AG VPK) sprach Alexander Schäfer, Vizepräsident im AG VPK, Träger und Gesamtleitung der Jugendhilfeeinrichtung Kinderheim Graf in Ellwangen. Er bedankte sich für die gute Zusammenarbeit und erinnerte mit einem Zitat des österreichischen Reformpädagogen Siegfried Bernfeld daran, dass „Erziehungsarbeit eine Sisyphusarbeit“ sei, eine Beschreibung, die angesichts der heutigen Anforderungen kaum an Aktualität verloren habe.
Inzwischen haben sich einundzwanzig Mitglieder des VPK Baden-Württemberg dem Arbeitgeberverband angeschlossen. Der gemeinsam entwickelte tarifliche Rahmen bietet ihnen verlässliche und gute Bedingungen und damit die Grundlage für engagierte und fachlich hochwertige Arbeit im Interesse der in den Einrichtungen betreuten und geförderten jungen Menschen.
Glückskompetenz – mehr als ein schöner Moment
Einen lebendigen Impuls setzte Dr. Artur Hornung mit seinem Vortrag zur „Glückskompetenz im Management“. Sein Ansatz versteht Glück nicht als zufälligen Moment oder als lediglich individuelles Wohlgefühl, sondern als Kompetenz, die entwickelt und gestaltet werden kann.
Artur Hornung stellte unterschiedliche Glückszustände vor, vom sinnlichen und materiellen Glück über Gesundheits-, Gemeinschafts- und Erkenntnisglück bis hin zum Glück, das aus Sinn und Übersicht entstehen kann. Entscheidend sei dabei eine Balance zwischen individuellen und gemeinschaftlichen Bedürfnissen sowie zwischen unterschiedlichen Lebensbereichen wie Beruf, Familie, Beziehungen, Gesundheit, Leistung und Sinn. Der Vortrag war eine Einladung, bewusster wahrzunehmen, was Menschen stärkt und was ein tragfähiges Gleichgewicht im beruflichen wie persönlichen Leben ausmacht.
Erinnerungen an drei Jahrzehnte VPK
Ein Höhepunkt des Jubiläums war schließlich die von Alexandra Mollenkopf und Vorstandsmitglied Joshua Voegeding moderierte Gesprächsrunde. Gemeinsam mit Martin Adam, Angelika Barreith, Wolfgang Brandl und Ingrid Holzhauer blickten langjährige Weggefährtinnen und Weggefährten auf die Geschichte des Landesverbandes zurück. Persönliche Erinnerungen, gemeinsame Erfahrungen und die Entwicklung des Verbandes fügten sich dabei zu einem lebendigen Rückblick.
Auch die besondere Entstehungsgeschichte des VPK Baden-Württemberg wurde noch einmal sichtbar. Nachdem der VPK 1996 zunächst in Schleswig-Holstein gegründet worden war und sich anschließend bundesweit entwickelte, stellte sich in Baden-Württemberg eine besondere Situation: Damals bestanden in den Landesteilen Baden und Württemberg zwei Landeswohlfahrtsverbände. Der VPK entschied sich bewusst dagegen, diese Trennung nachzuvollziehen. Es entstand ein gemeinsamer Landesverband für ganz Baden-Württemberg.
Mit dem Aufbau einer eigenständigen Geschäftsstelle professionalisierte sich die Verbandsarbeit zunehmend. Zugleich konnte sich der Vorstand von Beginn an auf ein hohes Vertrauen seiner Mitglieder stützen. Eine Maxime zog sich dabei durch die verschiedenen Entwicklungsphasen: Gemeinsam Qualität sichern, Qualität dokumentieren und Qualität kommunizieren.
Heute wird der VPK Baden-Württemberg in der Jugendhilfelandschaft wahrgenommen und als fachlicher Partner ernst genommen – eigenständig und zugleich in Zusammenarbeit mit den öffentlichen Trägern und den Verbänden der Liga. Die Gesprächsrunde machte aber auch deutlich, dass diese Entwicklung nie allein durch Strukturen entstanden ist. Sie wurde immer von Menschen getragen, die bereit waren, Verantwortung zu übernehmen, miteinander zu streiten, Lösungen zu suchen und über viele Jahre miteinander verbunden zu bleiben.
Ein Jubiläum darf auch gefeiert werden
Bei aller Fachlichkeit und dem Blick auf die Herausforderungen der Jugendhilfe durfte an diesem Tag natürlich eines nicht fehlen: das gemeinsame Feiern. In festlichem Rahmen, bei gutem Essen und Getränken und musikalischer Begleitung war Zeit für Begegnungen und Gespräche jenseits von Tagesordnungen und Fachthemen.
In diesem Rahmen wurde auch Martin Adam noch einmal offiziell verabschiedet und für sein langjähriges Engagement für den VPK Baden-Württemberg gewürdigt. Für die musikalische Stimmung am Abend sorgte unter anderem die Band Blueswashed. Den besonderen Abschluss des Jubiläumstages bildete schließlich ein nächtlicher Fackelspaziergang – ein schöner Schlusspunkt für einen Tag, an dem Rückblick, Begegnung, Dank und der Blick nach vorne auf besondere Weise zusammenkamen.
Am nächsten Morgen ging die Verbandsarbeit weiter
Dass ein Verband nicht allein vom Feiern lebt, zeigte sich am nächsten Tag: Mit der Mitgliederversammlung ging es wieder mitten hinein in die laufende Arbeit des VPK Baden-Württemberg. Neben den formalen Punkten standen die Berichte aus den vielfältigen internen VPK-Arbeitsgruppen und den verschiedenen externen Gremien, in denen der Landesverband die Interessen seiner Mitglieder vertritt, auf der Tagesordnung. Sie machten noch einmal deutlich, wie breit der Verband inzwischen fachlich aufgestellt und wie vielfältig er in die jugendhilfepolitischen Strukturen Baden-Württembergs eingebunden ist.
Damit endeten zwei Tage, die sehr gut zusammenfassten, was den VPK Baden-Württemberg nach 30 Jahren ausmacht: fachlicher Anspruch, Interessenvertretung, Gemeinschaft und die Bereitschaft, Verantwortung für die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe zu übernehmen.
Und vielleicht ist genau das die schönste Botschaft dieses Jubiläums: Es gibt vieles, worauf der VPK Baden-Württemberg mit Freude und auch Stolz zurückblicken kann. Gleichzeitig war dieser Tag keine Schlussbilanz. 30 Jahre VPK Baden-Württemberg sind vor allem ein guter Grund, gemeinsam weiterzumachen.